Mehrsprachige Websites für Hersteller: Baukasten, WordPress oder Headless CMS?
Deutsch, Französisch, Italienisch, dazu Englisch für den Export: Für Schweizer Hersteller ist Mehrsprachigkeit keine Option, sondern Alltag. Die Wahl des Systems entscheidet, ob Übersetzungen ein Klick oder ein Projekt sind. Was die drei Wege können, was sie kosten und wann welcher passt.
Eine Website in einer Sprache ist ein überschaubares Projekt. In vier Sprachen wird jede Entscheidung vierfach: jeder Text, jedes Produktblatt, jede Änderung an der Navigation. Wer das System falsch wählt, merkt es nicht beim Start, sondern beim dritten Update, wenn die französische Seite veraltet ist und niemand weiss, wo der italienische Text liegt. Dieser Artikel vergleicht die drei üblichen Wege für einen Betrieb, der mehrsprachig auftreten muss.
Die drei Wege
| Baukasten (Wix, Squarespace, Jimdo) | WordPress mit Plugins | Headless CMS mit eigener Seite | |
|---|---|---|---|
| Für wen | Kleine Auftritte, wenige Seiten | Mittlere Auftritte, viel Inhalt | Hersteller mit Produkten, Daten und Anwendungen |
| Mehrsprachigkeit | Oft nachträglich und eingeschränkt | Per Plugin, funktioniert, wird mit der Zeit mühsam | Von Anfang an im Datenmodell: jedes Feld pro Sprache |
| Produktdaten aus dem ERP | Nein | Mit Aufwand, selten sauber | Ja, über Schnittstelle, ohne Doppelpflege |
| Konfigurator, Rechner, Login | Nein | Begrenzt, als Fremdkörper | Teil der Seite |
| Geschwindigkeit | Mittel | Hängt von Plugins und Hosting ab | Hoch, Seiten werden vorab erzeugt |
| Sicherheit und Updates | Beim Anbieter | Laufende Pflege nötig, häufigstes Angriffsziel | Kleine Angriffsfläche, Inhalte vom Code getrennt |
| Kosten | Tief, monatlich | Tief im Start, Pflege kostet laufend | Höher im Bau, tief im Betrieb |
| Gehört Ihnen | Nein, Inhalte sind exportierbar, Seite nicht | Ja | Ja, Code und Inhalte |
Was «Headless» heisst
Bei WordPress und Baukästen sind Inhalt und Darstellung ein System: Sie schreiben im selben Programm, das auch die Seite ausliefert. Ein Headless CMS trennt das. Das CMS ist nur noch die Redaktion: Hier pflegt Ihr Team Texte, Bilder, Übersetzungen, in einer Oberfläche, die dafür gemacht ist. Die Website selbst ist ein eigenes Programm, das die Inhalte aus dem CMS holt und daraus schnelle, fertige Seiten baut. Dieselben Inhalte können auch in den Konfigurator, in den Shop oder in ein Kundenportal fliessen, ohne dass jemand sie kopiert.
Für Mehrsprachigkeit ist diese Trennung der entscheidende Vorteil: Jedes Feld existiert pro Sprache, mit Status. Die Redaktion sieht auf einen Blick, welche Seite auf Französisch fehlt oder veraltet ist. Übersetzungen lassen sich als Auftrag exportieren und importieren, oder von einem Sprachmodell vorschlagen und dann freigeben. Was heute oft über Kopieren in drei Tabs läuft, ist ein Arbeitsschritt.
Was bei Herstellern dazukommt
- 01Produktdaten gehören nicht ins CMS
Artikel, Masse, Kennwerte, Preise, Verfügbarkeit liegen im ERP oder in einem Produktinformationssystem. Die Website holt sie dort und zeigt sie, in der Sprache des Besuchers. Wer Produktdaten im CMS von Hand pflegt, hat nach einem Jahr zwei Wahrheiten.
- 02Datenblätter, Zertifikate, Anleitungen
Pro Produkt, pro Sprache, pro Version. Das braucht eine Ablage mit Struktur, nicht einen Medienordner. Gut gelöst, findet der Kunde das Datenblatt in seiner Sprache in zwei Klicks und der Innendienst schickt nichts mehr per Mail.
- 03Länder und Sprachen sind nicht dasselbe
Die Schweiz hat drei Sprachversionen, Deutschland und Österreich teilen sich die deutsche, aber nicht Preise und Händler. Das System muss Sprache und Markt trennen können. Baukästen können das nicht, WordPress mit Mühe, ein Headless CMS von Haus aus.
- 04Die Seite soll verkaufen, nicht nur zeigen
Anfrageformulare mit Produktbezug, Konfiguratoren, Preisrechner, Händlersuche, Kundenlogin. Das sind Anwendungen, und sie gehören in die Seite, nicht in ein Pop-up eines Drittanbieters. Mit einer eigenen Seite ist das ein Baustein; bei Baukästen geht es nicht, bei WordPress wird es ein Fremdkörper.
Was ein Headless-Aufbau kostet
Mehr im Bau, weniger im Betrieb. Die Seite ist ein Softwareprojekt mit Zuschnitt, Bau und Übergabe, wie wir es im Artikel über den Projektablauf beschreiben. Im Betrieb fallen das CMS-Abonnement und das Hosting an, beides in der Regel deutlich günstiger als die laufende Pflege einer WordPress-Installation mit zwanzig Plugins. Inhalte pflegt Ihr Team selbst; Änderungen am Aufbau macht Ihr Team mit KI-Werkzeugen oder wir per Leistungsvertrag. Zahlen zu Ihrem Fall gibt es nach dem Zuschnitt, nicht vorher; warum, steht im Artikel über Kosten.
Umzug von einer bestehenden Seite
- Inventar: Welche Seiten gibt es, in welchen Sprachen, was davon wird noch gebraucht? Meist deutlich weniger, als da ist.
- Datenmodell: Welche Inhaltsarten gibt es (Produkt, Branche, Referenz, Download, Nachricht), und welche Felder haben sie pro Sprache?
- Import: Bestehende Texte werden ins CMS übernommen, Produktdaten kommen aus dem ERP, nicht aus der alten Seite.
- Weiterleitungen: Jede alte Adresse zeigt auf die neue, sonst verlieren Sie, was Suchmaschinen über Sie wissen.
- Redaktion schulen: Wer pflegt was, in welcher Sprache, mit welchem Freigabeweg.
Wenn Sie vor der Frage stehen, bringen Sie ins Erstgespräch mit, welche Sprachen und Märkte Sie bedienen, wo Ihre Produktdaten liegen und was die Seite ausser Informieren tun soll. Daraus ergibt sich der Weg meist von selbst.
Häufige Fragen
Kann unser Marketing die Seite selbst pflegen, oder braucht es dafür immer Sie?
Inhalte, Bilder, Übersetzungen, neue Seiten nach bestehendem Muster: alles Ihr Team, im CMS. Neue Seitentypen oder Funktionen sind Änderungen am Code; die macht Ihr Team mit KI-Werkzeugen selbst oder wir. Das Ziel der Übergabe ist, dass Sie für den Alltag niemanden brauchen.
Können wir Übersetzungen mit KI machen lassen?
Als Vorschlag ja, und das spart viel Zeit. Freigeben sollte eine Person, die die Sprache und Ihre Produkte kennt, besonders bei Fachbegriffen. Das CMS kann den Ablauf so abbilden: Vorschlag, Prüfung, Freigabe, mit Status pro Sprache.
Was ist mit Shopify, wenn wir auch verkaufen?
Shopify übernimmt bei uns Warenkorb, Zahlung und Bestellung im Hintergrund; der Auftritt und die Produktdarstellung bleiben in der eigenen Seite. So haben Sie die Zuverlässigkeit eines grossen Zahlungssystems, ohne dass die Seite wie ein Shopify-Theme aussieht und ohne dass Produktdaten dreifach gepflegt werden.
Kommt aus dem digitalen Produktmanagement: hat Software gebaut, betreut und optimiert. Führt bei Synesis jedes Projekt selbst, vom Erstgespräch bis zur Abnahme, und baut Anwendungen mit KI, etwa den Pumpenauslegungs-Auftritt für Biral und den 3D-Konfigurator mit CRM und Produktionsportal für Nokto. Versteht zuerst den Ablauf, legt dann Architektur und Schnittstellen fest und prüft jede Änderung, bevor sie live geht.
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