Was eigene Software kostet – und was den Preis treibt
Es gibt keine Preisliste für Software, die es noch nicht gibt. Aber es gibt fünf Treiber, die den Aufwand bestimmen, und einen Mechanismus, der Ihr Risiko begrenzt: ein Festpreis pro Phase. Beides erklärt dieser Artikel.
«Was kostet das?» ist die erste Frage in fast jedem Erstgespräch, und sie verdient eine ehrliche Antwort: Vor dem Zuschnitt wissen wir es nicht genau, und wer Ihnen vorher eine Zahl nennt, rät. Was wir aber sagen können, ist, wovon der Preis abhängt, was Sie selbst beeinflussen und wie wir dafür sorgen, dass Sie nie mehr Risiko tragen als eine Phase.
Warum es keine Preisliste gibt
Standardsoftware hat eine Preisliste, weil das Produkt fertig ist. Eigene Software entsteht aus Ihrem Ablauf, und zwei Betriebe mit demselben Wunsch («Offerten schneller erstellen») können völlig verschiedene Anwendungen brauchen: Der eine hat zehn Artikel und eine Preisliste, der andere drei Preislisten, Zuschläge nach Kunde und Region und eine Ausnahme für jeden zweiten Auftrag. Der Aufwand steckt nicht im Wunsch, sondern in den Regeln dahinter.
Die fünf Preistreiber
- 01Anzahl der Abläufe und Rollen
Eine Anwendung für einen Ablauf und zwei Rollen (Innendienst, Leitung) ist überschaubar. Jeder weitere Ablauf und jede Rolle mit eigenen Rechten und Ansichten kommt dazu. Der grösste Hebel: mit einem Ablauf anfangen.
- 02Schnittstellen
Jedes System, mit dem die Anwendung Daten austauscht, ist ein eigener Posten: ERP, Buchhaltung, Shop, Dateiablage. Ob das System eine dokumentierte Schnittstelle hat oder nur einen Export, macht den Unterschied zwischen Tagen und Wochen. Mehr dazu im Artikel über Schnittstellen zum ERP.
- 03Regeln und Ausnahmen
Die Preislogik, die Freigabestufen, die Sonderfälle. Je mehr davon heute im Kopf einer Person liegt statt auf Papier, desto mehr Zeit braucht der Zuschnitt, um sie herauszuarbeiten. Diese Zeit ist gut investiert: Was nicht verstanden ist, wird falsch gebaut.
- 04Datenqualität
Doppelte Kunden im ERP, Preislisten in drei Versionen, Artikelnummern mit Sonderfällen. Die Anwendung kann damit umgehen, aber jede Bereinigung oder Sonderbehandlung kostet. Oft ist das Projekt der Anlass, die Stammdaten einmal sauber zu machen.
- 05Wer die Anwendung bedient
Eine Oberfläche für Ihre eigenen Leute darf schlicht sein; die werden geschult. Eine Oberfläche für Ihre Kunden muss sich ohne Erklärung bedienen lassen, auf dem Telefon, in mehreren Sprachen. Das ist mehr Arbeit im Entwurf und in der Prüfung.
Was den Preis senkt
- Klare Abgrenzung: ein Ablauf, der wehtut, statt «alles, was wir uns je gewünscht haben». Erweitern lässt sich später, mit dem Wissen aus dem Betrieb.
- Bestehende Systeme behalten: Buchhaltung, Lohn, Checkout nicht nachbauen, sondern anbinden.
- Eine Fachperson mit Zeit: Wer uns den Ablauf in zwei Wochen zeigen kann, spart Wochen Rückfragen.
- Echte Beispiele: zehn Offerten, zwanzig Anfragen, die Excel-Datei mit den Formeln. Daraus lesen wir Regeln, die niemand aufschreiben würde.
- KI-gestützte Entwicklung: Weil Claude Code und Codex den Code schreiben, fällt der grösste Posten klassischer Softwareprojekte kleiner aus. Unsere Zeit geht ins Verstehen und Prüfen. Was das bedeutet, steht im Artikel Wir entwickeln mit KI.
Festpreis pro Phase: wie Ihr Risiko begrenzt bleibt
Wir arbeiten in drei Phasen, und jede hat einen Festpreis, den Sie vorher kennen. Der Preis der ersten Phase steht im Erstgespräch fest. Der Preis der zweiten steht am Ende der ersten, wenn der Umfang bekannt ist. So bezahlen Sie nie für etwas, dessen Umfang noch niemand kennt.
| Phase | Dauer in der Regel | Was Sie am Ende haben | Preis |
|---|---|---|---|
| Zuschnitt | Wochen 1–2 | Ablauf dokumentiert, Datenmodell, Abnahmefälle, Architektur, klickbarer Entwurf – und ein Festpreis für den Bau | Fest, im Erstgespräch genannt |
| Bau | Wochen 3–8 | Die Anwendung mit Schnittstellen, Tests und wöchentlicher Vorschau | Fest, am Ende des Zuschnitts genannt |
| Übergabe | Wochen 9–12 | Abnahme mit echten Aufträgen, Schulung, Dokumentation, Quellcode in Ihrem Besitz | Im Baupreis enthalten |
Der Zuschnitt ist dabei kein Vorgespräch, sondern eine eigene Leistung mit eigenem Ergebnis. Wenn Sie danach nicht weitermachen wollen, gehören Ihnen Dokumentation, Datenmodell und Entwurf trotzdem. Sie können sie auch jemand anderem geben. Was in jeder Phase genau passiert, beschreibt der Artikel Wie ein Softwareprojekt abläuft.
Laufende Kosten nach der Übergabe
Eigene Software hat keine Lizenz pro Arbeitsplatz. Sie hat aber laufende Kosten, und die gehören von Anfang an auf den Tisch:
- Hosting und Betrieb: Server, Datenbank, Sicherungen, Überwachung. Die Kosten hängen von Last und Datenmenge ab und laufen auf Ihren Namen; wir legen sie im Zuschnitt offen.
- Sicherheitsupdates: Die Bausteine, auf denen die Anwendung steht, bekommen regelmässig Aktualisierungen. Jemand muss sie einspielen und prüfen.
- Weiterentwicklung: entweder durch Ihr eigenes Team mit den KI-Werkzeugen oder durch uns im Leistungsvertrag mit monatlichem Kontingent.
- Nutzung von Sprachmodellen, falls die Anwendung KI einsetzt: abgerechnet nach Verbrauch, also nach gelesenen Dokumenten oder beantworteten Anfragen.
Die Rechnung gegen Lizenzsoftware
Ob eigene Software über fünf Jahre günstiger ist als eine Lizenz, hängt von Ihrem Fall ab, und wir rechnen das im Erstgespräch mit Ihren Zahlen, nicht mit unseren. Die Struktur der Rechnung ist aber immer dieselbe:
| Kostenart | Lizenzsoftware | Eigene Software |
|---|---|---|
| Anschaffung | Einführung, Schulung, oft Anpassungen durch den Hersteller | Festpreis für Zuschnitt und Bau |
| Jährlich | Lizenz pro Nutzer, steigt mit dem Team | Hosting und Betrieb, unabhängig von der Anzahl Nutzer |
| Anpassungen | Roadmap des Herstellers oder teure Sonderprogrammierung | In Tagen, durch Sie oder uns |
| Daneben | Excel, Mail, Nachfragen für alles, was fehlt | Entfällt, weil der Ablauf abgebildet ist |
| Nach fünf Jahren | Fünfmal bezahlt, nichts besessen | Einmal bezahlt, Quellcode im eigenen Besitz |
Häufige Fragen
Nennen Sie im Erstgespräch schon einen Preis?
Einen Festpreis für den Zuschnitt, ja. Für den Bau nennen wir eine Grössenordnung, die auf dem beruht, was Sie uns in vierzig Minuten schildern. Verbindlich wird der Baupreis am Ende des Zuschnitts, wenn der Umfang auf dem Tisch liegt.
Was passiert, wenn während des Baus neue Wünsche dazukommen?
Sie kommen auf eine Änderungsliste. Was den Festpreis nicht berührt, bauen wir ein. Was den Umfang vergrössert, besprechen wir: jetzt mit Preis oder nach der Übergabe als erste Erweiterung. So bleibt der Festpreis ein Festpreis.
Gibt es Förderungen für solche Projekte?
Für Digitalisierungsprojekte gibt es je nach Kanton und Branche Programme. Wir kennen nicht alle und versprechen nichts. Fragen Sie Ihre kantonale Wirtschaftsförderung oder Ihren Branchenverband, bevor Sie starten.
Kommt aus dem digitalen Produktmanagement: hat Software gebaut, betreut und optimiert. Führt bei Synesis jedes Projekt selbst, vom Erstgespräch bis zur Abnahme, und baut Anwendungen mit KI, etwa den Pumpenauslegungs-Auftritt für Biral und den 3D-Konfigurator mit CRM und Produktionsportal für Nokto. Versteht zuerst den Ablauf, legt dann Architektur und Schnittstellen fest und prüft jede Änderung, bevor sie live geht.
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