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KI-Agenten als digitale Mitarbeiter: Was das heisst und wo die Grenze liegt

Ein Agent ist mehr als ein Chatfenster: Er bekommt eine Aufgabe, Werkzeuge und Regeln und arbeitet mehrere Schritte selbständig ab. Was das in einem KMU konkret bedeutet, welche Aufgaben sich eignen und warum der Mensch trotzdem die Freigabe behält.

Der Begriff «KI-Agent» ist in kurzer Zeit zu einem Schlagwort geworden, und wie bei den meisten Schlagworten steckt etwas Brauchbares darin, das unter dem Lärm schwer zu erkennen ist. Dieser Artikel erklärt, was ein Agent technisch ist, was ihn von einem Chatbot unterscheidet, welche Aufgaben in einem Betrieb sich eignen und wo wir bewusst eine Grenze ziehen.

Chatbot, Assistent, Agent: der Unterschied

Ein Chatbot antwortet auf eine Frage. Ein Assistent antwortet mit Zugriff auf Ihre Daten: Er kennt den Auftrag, über den Sie sprechen, und findet die Stelle im Handbuch. Ein Agent bekommt eine Aufgabe statt einer Frage und arbeitet sie in mehreren Schritten ab, mit Werkzeugen, die er selbst wählt: Er liest die eingehende Mail, sucht den Kunden im ERP, prüft den Lagerbestand, entwirft eine Antwort und legt sie zur Freigabe vor. Der Unterschied liegt also nicht im Modell, sondern darin, was man ihm gibt: Aufgabe, Werkzeuge, Regeln und einen Rahmen, in dem es arbeitet.

ChatbotAssistentAgent
BekommtEine FrageEine Frage und Ihre DatenEine Aufgabe, Werkzeuge, Regeln
TutAntwortetAntwortet mit FundstelleArbeitet mehrere Schritte ab
ZugriffKeinerLesendLesend und, mit Freigabe, schreibend
Beispiel«Was ist Ihre Lieferzeit?»«Wann kommt Auftrag 4711?»«Bearbeite die Anfragen von heute Morgen vor.»

Was ein Agent im Betrieb konkret tut

Ein Beispiel aus dem Innendienst. Jeden Morgen liegen zwanzig Mails im Postfach: Anfragen, Bestellungen, Terminfragen, Reklamationen, Werbung. Heute sortiert sie eine Person, sucht zu jeder den Kunden heraus, prüft den Stand und schreibt zurück. Ein Agent übernimmt die Vorarbeit:

  1. 01
    Lesen und einordnen

    Jede Mail wird einer Art zugeordnet: Bestellung, Anfrage, Reklamation, Rest. Werbung fällt heraus.

  2. 02
    Nachschlagen

    Zum Absender findet der Agent den Kunden im ERP, offene Aufträge, letzte Lieferung, Konditionen. Dafür hat er ein Werkzeug, das nur lesen darf.

  3. 03
    Prüfen

    Bei einer Bestellung prüft er Artikel und Mengen gegen den Katalog, bei einer Terminfrage den Stand des Auftrags.

  4. 04
    Vorbereiten

    Er entwirft die Antwort oder den Auftrag und legt beides in eine Liste: Mail, gefundene Daten, Vorschlag, Begründung.

  5. 05
    Freigabe durch den Menschen

    Die Person im Innendienst geht die Liste durch, korrigiert, bestätigt. Erst dann geht etwas hinaus oder ins ERP.

Die Person macht am Morgen dieselbe Arbeit wie vorher, nur nicht mehr das Suchen und Abtippen, sondern das Entscheiden. Was sie korrigiert, merkt sich die Anwendung als Beispiel für das nächste Mal.

Welche Aufgaben sich eignen

  • Eingangsverarbeitung: Mails, Anfragen, Bestellungen, Belege sichten, zuordnen, vorbereiten.
  • Nachführen über Systemgrenzen: Was im Shop bestellt wurde, im ERP anlegen; was im ERP geliefert wurde, dem Kunden melden.
  • Recherche im eigenen Haus: Für eine Offerte die letzten drei vergleichbaren Aufträge mit Preisen und Besonderheiten heraussuchen.
  • Überwachen und melden: Lieferverzug, fehlende Dokumente, offene Posten erkennen und die zuständige Person informieren, mit allem, was sie dafür braucht.
  • Berichte zusammenstellen: Aus mehreren Quellen den Wochenstand für die Geschäftsleitung, mit Quellenangabe pro Zahl.

Die Grenze: Wer entscheidet

Ein Agent, der Mails liest und Vorschläge macht, kann wenig anrichten. Ein Agent, der selbständig Aufträge bestätigt, Preise nennt oder Zahlungen auslöst, kann viel anrichten, und zwar schnell und in Serie. Darum unterscheiden wir bei jedem Werkzeug, das ein Agent bekommt, zwischen Lesen und Schreiben. Lesen darf er frei. Schreiben darf er nur in die Vorschlagsliste, und was aus der Liste in die Welt geht, bestimmt ein Mensch.

Was ein Agent braucht, bevor er anfangen kann

  • Zugang zu den Systemen: eine Schnittstelle zum ERP, zum Postfach, zur Ablage. Mit eigenem Benutzer und eigenen, eng gefassten Rechten.
  • Aufgeschriebene Regeln: Was ist eine Reklamation, wer ist zuständig, was darf man einem Neukunden zusagen. Was heute im Kopf ist, muss auf Papier.
  • Beispiele: Die letzten hundert Mails mit dem, was daraus wurde. Daraus lernt die Anwendung, was «richtig» bei Ihnen heisst.
  • Eine Person, die die Vorschlagsliste täglich durchsieht und in den ersten Wochen Zeit für Korrekturen hat.
  • Ein Protokoll: Jeder Schritt des Agenten wird aufgezeichnet. Das ist die Grundlage dafür, ihm später mehr zu erlauben, und die Antwort, wenn jemand fragt, warum etwas passiert ist.

Was es nicht ist

Ein Agent ersetzt keine Fachperson. Er ersetzt den Teil ihrer Arbeit, der aus Suchen, Abtippen und Weiterleiten besteht, und das ist in vielen Innendiensten die Hälfte des Tages. Was bleibt, ist das, wofür man die Person eingestellt hat: Kunden kennen, Zusammenhänge sehen, entscheiden. Wir nennen das auf unserer Leistungsseite KI-Agenten als Mitarbeiter, und meinen damit genau das: ein zusätzliches Paar Hände, das die Vorarbeit macht, nicht ein Ersatz für Köpfe.

Ob ein Ablauf bei Ihnen für einen Agenten taugt, lässt sich im Erstgespräch in vierzig Minuten einschätzen. Die beste Vorbereitung dafür: eine Woche lang zählen, wie viele Vorgänge am Tag aus Lesen, Nachschlagen und Übertragen bestehen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis ein Agent bei uns läuft?

Für einen klar umrissenen Ablauf wie die Eingangsverarbeitung im Innendienst in der Regel zwölf Wochen: zwei Wochen Zuschnitt mit Regeln und Beispielen, sechs Wochen Bau mit Schnittstellen, vier Wochen Einführung, in denen der Agent nur vorschlägt und das Team korrigiert.

Was passiert, wenn der Agent einen Fehler macht?

In der Grundeinstellung landet der Fehler in der Vorschlagsliste und wird dort korrigiert, bevor etwas passiert. Wenn ein Agent für bestimmte Fälle selbständig handeln darf, ist jede Aktion protokolliert und rückgängig zu machen, und das Team sieht täglich, was er getan hat.

Sieht der KI-Anbieter unsere Kundendaten?

Das Modell bekommt, was es für die Aufgabe braucht, und nur das. Wir wählen Anbieter mit Rechenzentren in der Schweiz oder der EU oder mit vertraglichem Ausschluss von Training mit Ihren Daten. Was das Modell sieht und was nicht, legen wir im Zuschnitt fest und halten es in der Dokumentation fest.

Geschrieben vonJonas SchädeliGründer · Software, Web & KI

Kommt aus dem digitalen Produktmanagement: hat Software gebaut, betreut und optimiert. Führt bei Synesis jedes Projekt selbst, vom Erstgespräch bis zur Abnahme, und baut Anwendungen mit KI, etwa den Pumpenauslegungs-Auftritt für Biral und den 3D-Konfigurator mit CRM und Produktionsportal für Nokto. Versteht zuerst den Ablauf, legt dann Architektur und Schnittstellen fest und prüft jede Änderung, bevor sie live geht.

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